Olga - Auch Spinnen hilft die Tierlihilfe

Als Mitgründerin des Vereins Tierlihilfe möchte ich hier meine spezielle Tierrettung erzählen, eine Rettung mit einer Achterbahn der Gefühle.

 

Seit meinem Einzug in die neue Wohnung am 24.08.2017 lebt am Fenster bei der Essecke Olga. Sie ist eine wunderschöne, im Durchmesser ca. 10cm grosse Kreuzspinne.

Ihr wunderbares Trichternetz hat sie ausserhalb gewebt. Jeden Tag auf das Neue; jeden Tag hat sie ihr Zuhaue gepflegt, jeden Tag jedes Loch wieder zugeknöpft. Tags durch hat sie sich in eine Ecke verkrochen. Nach vielen Internetrecherchen habe ich herausgefunden dass Olga ein Weibchen ist, denn die Kreuzspinnen-Männchen bauen kein Netz. Die Männchen sind rastlos auf

der Suche nach einem Weibchen, haben sie dieses gefunden schleichen sie in das Netz vom Weibchen, begattet es und danach wird das Männchen vom Weibchen gefressen. So brutal kann die Natur sein.

 

So spannend es auch ist Olga jeden Tag zu zuschauen so tragisch war es aber für mich. Vor vielen Jahren hatte ich eine unerwartet tragische Begegnung mit einer Vogelspinne, diese Begegnung hat Spuren in mir hinterlassen. Auch nach all diesen Jahren ist die Spinnenangst immer noch sehr stark präsent, das habe ich jetzt gemerkt seit Olga bei mir lebt. Ich wusste Olga muss weg, doch ein Tier töten kommt für mich nicht in Frage, egal was es für ein Tier ist, auch der Rat meiner Mitmenschen sie mit Salzwasser, Bio Kill oder sogar mit einem Stein zu töten kam für mich, trotz der enormen Belastung, dass sie bei mir lebt, nie in Frage.

 

Im Internet habe ich einen Spinnen-Lebend-Fänger gefunden und heute, Samstag, 30.09.2017 war nun der  Moment gekommen Olga "einzupacken" und weg zu bringen, weit weit weg, da gerade Netzspinne immer wieder an ihren Ursprungsort zurück kehren. Der Spinnen-Lebend-Fänger war allerdings etwas zu klein für Olga, mit viel Schlottern, kalten Schweiss, wackligen Beinen und kurz vor den Tränen habe ich es geschafft dass Olga in den Lebend-Fänger kriecht. So faszinierend ihr Körper, ihre schöne Kreuzzeichen, ihre langen Beine auch waren, so unbeschreiblich schlimm war es für mich.

 

Nach ca. 10 Minuten Autofahrt habe ich an einem ruhigen ländlichen Ort im Wald Olga in die Freiheit gelassen. Mit etwas Herzschmerz, mit Tränen der Erleichterung, habe ich von Olga Abschied genommen.

Sie ist jetzt an einem Ort im Wald wo sie ihre Babys ausbrüten kann. Leider wird Olga danach sterben, doch jetzt, in diesem Moment, wo ich diese Zeilen schreibe bin ich stolz auf mich und auch glücklich konnte ich einem Tier, auch wenn es noch so schrecklich zu anschauen ist, das Leben retten.

 

Goodbye Olga, sei mir nicht böse für meinen Entscheid. Du wirst es dort wo Du jetzt bist noch besser haben. Mach's gut Olga, auch wenn wir nie Freunde geworden wären bin ich froh Dich lebend umplatziert zu haben.